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hauptstadtoper

Staatsoper? Deutsche Oper? Komische Oper? Hauptstadtoper. Die kleinste Oper von Berlin. In Friedrichshain.

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Hauptstadtoper in der Landsberger Allee 61


Café in der Hauptstadtoper
Fotos: Hauptstadtoper


Plakat: Wolf Gutjahr





Ralph Zedler, Kirstin Hasselmann,
Ricardo Frenzel Baudisch


Fotos: Christina Kämper



Plakat: Wolf Gutjahr





Fotos: Christina Kämper


Kristina Jean Hays, Kirstin Hasselmann




Ricardo Frenzel Baudisch, Kirstin Hasselmann


 


Fotos. Christina Kämper

Günther Rechn, Mahler, bei der Vernissage und Premiere "Ein Ehemann vor der Tür" am 1.4.2011


Kirstin Hasselmann, Roman Grübner, Sophia Seidler, Tobias Link 


Geburtstagsfest am 26.2.2011



 Foto: Kirstin Hasselmann


 

Foto: Julian Fahrenholz


Kirstin Hasselmann vor Güther Rechn, Öl auf
Leinwand "Heute sind wir lustig"


Foto: Julian Fahrenholz


Eurydike & Orpheus - Eine Wassermusik

 Eurydike: Kirstin Hasselmann

Orpheus: Max Volkert Martens

Fotos: Alfredo Mena


Sing um dein Leben -

am Ende stirbst du doch

Die Diva

 

Das Opernchaos

 

Die Bühne

Fotos: Julian Fahrenholz


Le quattro stagioni/

Die Vier Jahreszeiten

Sommer

 

Frühling

Sommer

Fotos: Steven Weiss


tucholskyBaRock

 

Das tucholskyBaRock- Team



Fotos: Julian Fahrenholz


 


Off-Szene in Berlin

Opernsänger zum Anfassen

Etienne Roeder im Gespräch mit Max Oppel in der Sendung Kompressor Deutschlandradio Kultur am 5.2.2015 14 h



Das Ensemble der Hauptstadtoper für Mozarts "Don Giovanni".

(Foto: Hauptstadtoper / Mark Beyer)


Die Hauptstadtoper ist so etwas wie das Flaggschiff der Off-Opernszene in Berlin. Aber wie klappt das eigentlich ohne Weltstars und staatliche Subventionen im kleinsten Opernhaus der Hauptstadt?

"Berlin ist gut ausgestattet mit Opern", sagt der Kulturjournalist Etienne Roeder. Sie seien alle gut subventioniert und auch die "Neuköllner Oper" im gleichnamigen Bezirk werde von staatlichen Stellen mitfinanziert. Die "Unterwasseroper" sei etwas moderner und experimenteller, weil sie Gesang und Instrumente unter Wasser ausprobiere.

"Es gibt aber noch viel mehr freischaffende Künstler, die sich in Berlin noch rumtreiben."  Einige von ihnen organisierten sich in der freien Szene und  hätten eine Interessenvertretung, den Landesverband freidarstellender Künste in Berlin (Laft). Diese Lobbyorganisation kümmere sich darum, auch für die freie Opernszene in der Hauptstadt Geld locker zu machen.

Vorstellungen für Opern-Einsteiger

Die im Berliner Bezirk Friedrichshain gelegene Hauptstadtoper passe sich ein in das ganze Spektrum von Off-Opern, die ein etwas anderes Programm anböten. Der Zuschauer sitze sehr nah an den Sängern, weil der Raum nur 85 Quadratmeter groß sei. "Es gibt im Prinzip keinen Abstand zwischen Sängern und Zuschauern, keinen Orchestergraben", sagte Roeder. "Stars zum Anfassen." Alles finde in einem Raum statt, in dem auch die Maske sitze und das Einsingen stattfinde. Finanziert werde diese Oper vor allem über das dazu gehörige Café.

"Die Hauptstadtoper spricht bewusst auch Opern-Einsteiger an", sagt Roeder. Am Freitag ist die nächste Premiere von Mozarts "Don Giovanni", die allerdings nicht von großem Orchester, sondern von drei Instrumenten begleitet werde.


KulturMacher Berliner Morgenpost

am 27.11.2013

VON ANNETTE KUHN


Hotels, Hochhäuser, Einkaufscenter, sogar ein Schwimmbad und ein Krankenhaus gibt es an der Landsberger Allee. Womit man aber sicher nicht an dieser sechsspurigen  Ausfallstraße  gen  Osten rechnet,  ist  ein  Opernhaus.  Aber  auch das gibt es. In grünen Lettern steht über einem Ladengeschäft „Hauptstadtoper“.
Und wer das nicht glauben kann, darf einfach  hereinkommen,  jedenfalls  von Mittwoch bis Sonntag, dann gibt es hier Kaffee und Kuchen, von der Intendantin
Kirstin Hasselmann selbst gebacken.Viel mehr als die Intendantin gehört nicht zu dem jüngsten und mit Sicherheit kleinsten Opernhaus Berlins. Für ihre Produktionen sucht sie sich jedes Mal ein  kleines  Ensemble  zusammen.  Die größte  Besetzung  waren  einmal  zwölf Künstler  und  Musiker,  „da  haben  wir Wagner gespielt“. Wagner mit zwölf Personen?  Klingt  nach  einem  Witz.  Und dann auch noch auf 79 Quadratmetern. Viel größer ist der Raum nämlich nicht, der Entree, Garderobe, Bühne und Publikumssaal mit höchstens 60 Plätzen in einem ist. Eher Wohnzimmer als Theater. Aber den „Ring“ gibt es hier auch nicht, Kirstin Hasselmann sucht sich Einakter oder  lässt  Opernstoffe  für  ihre  MiniBühne adaptieren. „Es muss etwas mit Musik zu tun haben, aber es muss keine ganze Oper sein“, erklärt die 49-Jährige.
Besuch ohne Abendrobe Kirstin Hasselmann versteht ihr kleines Opernhaus  als  Einstieg  in  das  Genre.„Hier werden keine Rituale gepflegt, es gibt keine Abendroben“, erklärt sie, „zu uns kommen auch Menschen, die noch nie vorher in der Oper waren.“ Und davon gibt es im Kiez rund um die Landsberger Allee viele. Zum einen, weil sie keine 50 Euro für eine Karte ausgeben,zum  anderen,  weil  sie  sich  nicht  drei,vier  Stunden  auf  etwas  Unbekanntes einlassen  wollen.  Die  Abende  in  der Hauptstadtoper dauern oft nicht länger als eine Stunde. „Kurz und knackig geht es hier zu“, sagt die Intendantin. Doch nicht  nur  Opernneulinge  finden  den Weg hierher, auch die, die schon alles kennen, die müde sind von der großen Bühne gehören zu den Zuschauern.
Müde  war  auch  Kirstin  Hasselmann vor einigen Jahren, und auf der Suche nach etwas Neuem. 14 Jahre hatte die Sopranistin an großen Opernhäusern in
Deutschland gesungen. Selten konnte sie sich dabei die Rollen aussuchen. Die Gilda  aus  Verdis  „Rigoletto“  und  Pamina aus der „Zauberflöte“, die hat sie gern
gesungen. Aber es gab auch die Christel von der Post aus dem „Vogelhändler“, ihre Hassrolle. Vielleicht sang sie gerade mal wieder die Christel, als in ihr die Idee reifte, etwas Eigenes zu machen.
Vor knapp zehn Jahren stieg sie aus dem Operngeschäft aus, versuchte sich erst als Freiberuflerin in Köln und kam dann  vor  sieben  Jahren  nach  Berlin:
„Hier  gibt  es  noch  Raum  für  Nischen und etwas zu erobern.“ Erst schloss sie sich nacheinander zwei Gruppen an, die eine  habe  künstlerisch  auf  hohem  Niveau,
aber ziemlich chaotisch gearbeitet, bei der zweiten war es wohl umgekehrt. Kirstin Hasselmann wollte aber in jeder Hinsicht hohes Niveau. So eröffnete sie 2009 die Hauptstadtoper. Ein weiteres Opernhaus in Berlin, neben den drei großen in Mitte und Charlottenburg und der Neuköllner Oper, ist ja an sich schon eine recht verwegene Idee.  Und  dann  noch  dieser  Name. „Ganz schön mutig“, gibt die Künstlerin zu und erzählt, wie es dazu kam: Das Gründungsteam  saß  bei  Rotwein  und überlegte, wie das Projekt denn heißen könnte. Zum Spaß haben die Künstler im Netz das Wort Hauptstadtoper eingegeben. Und die Überraschung war groß, als Kirstin Hasselmann feststellte, dass die Domain  nicht  geschützt  und  nicht  genutzt war. „Das erschien mir wie eine Fügung“, erzählt sie, und damit war ihr Opernhaus geboren.

Ohne Fördergelder zum Erfolg.

Erst hatte sie ihren Platz an der Rungestraße nahe der Jannowitzbrücke. Weil sich  eine  Nachbarin  aber  am  Gesang störte, zog sie vor einem halben Jahr an die Landsberger Allee. An den Autoverkehr vor der Tür hat sie sich schon fast gewöhnt. Nur wenn ein Krankenwagen mit Martinshorn zum Klinikum nebenan fährt, kommen die Sänger nicht dagegen an. Aber dafür gibt es hier mehr Laufkundschaft als in der Rungestraße. Immer wieder bleiben Menschen neugierig vor   dem   Ladengeschäft   stehen.   Der schwarze Vorhang ist auch meist zurückgezogen. Die Hauptstadtoper will keine geschlossene  Gesellschaft,  sondern  offen für ein neues Publikum sein.
Neue  Zuschauer,  das  bräuchten  alle Opernhäuser, denn der Nachwuchs findet immer seltener den Weg zu Mozart,Verdi  oder  Wagner.  Daher  hat  Kirstin Hasselmann auch schon überlegt, vielleicht einmal mit einem der großen Häuser in Berlin zusammenzuarbeiten und ein gemeinsames Projekt zu entwickeln. Aber das ist Zukunftsmusik. „Ich traue mich  noch  nicht“,  sagt  sie,  „vielleicht muss ich erst fünf werden.“ Das wäre allerdings schon recht bald. Im kommenden Februar feiert das Haus sein fünfjähriges Bestehen.Leicht waren diese fünf Jahre nicht.
Die Hauptstadtoper muss sich selbst finanzieren.  Mit  Eintrittspreisen  allein funktioniert das nicht, weil der Vollpreis mit  15  Euro  bewusst  niedrig  gehalten
wird, um die Hemmschwelle zu nehmen. Dazu kommen Spenden und vor allem das Engagement der Künstler, die hier für  eher  symbolische  Gagen  arbeiten.
„Dafür können sie sich hier ausprobieren und haben viele Freiheiten“, erklärt Kirstin  Hasselmann.  Fördergelder  hat  sie bisher noch nicht bekommen. Trotzdem  könnte  sich  die  Sängerin keine  andere  Arbeit  vorstellen.  Auch wenn sie oft zwölf Stunden oder mehr in ihrem Mini-Opernhaus verbringt – mit Singen,  Organisieren,  Aufräumen  und Backen. Seit einigen Wochen gibt es das Café in der Oper, auch das eine zusätzliche  Einnahmequelle.  Und  das  Backen dient  der  Opernleiterin  als  Ausgleich: „Wenn ich singe, ist das ja gleich vorbei, aber  der  Kuchen  ist  erst  einmal  da.“ Wenn genug Menschen zu ihr kommen, aber zum Glück nicht zu lange.



Kulturradio vom rbb. 05.05.2012
Bühne:
Hauptstadtoper Berlin:
"Witwe Grapin"
Bewertung:  KKKK


Mit Kirstin Hasselmann (Witwe), Ricardo Frenzel Baudisch (Marquis Bressieux), Kristina Jean Hays (Vincent)
Musikalische Leitung: Ralph Zedler
Regie: Birgit Eckenweber
Premiere vom 4. Mai 2012


Weitere Vorstellungen:
11., 18., 25.05., 01. und 03.06.2012
www.hauptstadtoper.de


"Meisterwerk", wie die Ankündigung verheißt, ist vielleicht etwas hoch gegriffen für das "petit riens" namens Witwe Grapin von Friedrich von Flotow. Aber Klappern gehört zum Handwerk, zumal bei einem zauberhaften Parterre-Nudelbrett wie der "Hauptstadtoper" in der Berliner Rungestraße. Ihrem großsprecherischen Namen zum Hohn ist die auf Selbstausbeutungsbasis operierende Kleinst-Truppe seit etwa vier Jahren auf Einakter-Fundstückchen spezialisiert.

Im Flohzirkus-Format
Von der Qualität und Pfeifbarkeit der Melodien Flotows ist man sogleich überrascht. Das kann mit fast jedem mittleren Rossini konkurrieren. Kein Zufall. Wir haben's bei Friedrich von Flotow (von dem sonst immer Martha gespielt und Alessandro Stradella zitiert wird) mit einem Komponisten im Windschatten der Opéra comique und Opéra francais zu tun. Sein Vorbild war Daniel Francois Auber (von dem Das bronzene Pferd zurzeit an der Komischen Oper gegeben wird). Seine Stilrichtung wurde zwischen Grand opéra und Operette bald aufgerieben. Schon deswegen verdienstvoll! Auch wenn wir es hier freilich eher mit einer Ausgabe im Flohzirkus-Format zu haben
Klein und hitzig
Die Hauptstadtoper residiert im Ladenlokal eines Neubaus zwischen Jannowitzbrücke und Köpenicker Straße (Jenny-Treibel-Terrain, könnte man sagen; die Fontane-Figur wohnt um die Ecke). Die Bühne ist ein freigeräumter Quadratmeter Wohnzimmerfläche (rund 40 Plätze). Die Auftritte erfolgen durch die Gartentür. Die Kassiererin spielt mit. Dass der Intendantin jedes Mal wieder die Hauptrolle vorbehalten bleibt, steht in altehrwürdiger Wanderbühnen-Tradition. Das ganze Ambiente ist so klein und hitzig, dass einem schon bei der ersten Arie die Brille beschlägt.

Liebevolle Prilblumen-Ausstattung
Die Witwe Grapin wiederum ist eine reiche, also lustige Witwe. Weil ihr Name so klingt wie das französische Wort für Enterhaken, will sie diesen Namen loswerden und heiratet einen Bankrotteur; ohne zu merken, dass dieser so jung und hübsch aussieht, dass sie ihn eigentlich gerne behalten möchte. Das wäre also ein federleichtes Scheinproblemchen, das sich durch einen einzigen Kuss lösen lässt. Und so kommt es auch. Im Operngewerbe indes waren immer schon die hergesuchtesten Konflikte zugleich die tragfähigsten, weshalb sich dies auch auf vier Akte hätte ziehen lassen. Doch der Hauptstadtoper kommt der Einstünder gewiss gerade recht. Die Sänger sind jung – und brauchen das Geld (das sie hier nicht verdienen können). Die liebevolle Prilblumen-Ausstattung erstreckt sich vom Bodenflokati bis zur Unterwäsche der Darsteller. Man sagt sich: Dass so etwas im hauptstädtisch aufgepumpten Berlin noch möglich ist... wie köstlich!

Appetitanregende Kleinigkeit
Und doch ist hier eine veritable Entdeckung gelungen. Durch die Klavierbegleitung geht die französische Opulenz verloren (das Werk wurde 1859 immerhin am Théâtre des Bouffes-Parisiens uraufgeführt). Dafür sorgt Ralph Zedler am Klavier für Stummfilm-Anmutung, durch welche er die hauchdünne Handlung gleichsam zur Kenntlichkeit entstellt. Alles durchaus nicht laienhaft! Nur lieb. Willkommen also in der ungekrönt selbsternannten "Opernhauptstadt". Gerade auf dem Felde der Einakter – von Offenbachs Lieschen und Fritzchen abwärts – eröffnet sich für die "Hauptstadtoper" ein Meer von theatralisch appetitanregenden Kleinigkeiten. Her damit!
Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

Link zu dieser Kritik:

http://www.kulturradio.de/rezensionen/buehne/2012/hauptstadtoper_berlin.html


Der Opernfreund - 42. Jahrgang
Die Witwe Grapin
Wenn man Glück hat, wird von der Berliner Hauptstadtoper so etwas wie eine „Flotow“-Renaissance ausgehen.
Hauptstadtoper Berlin? Flotow-Renaissance? Natürlich sollte man die Kirche im Dorf lassen. Es ist nicht zu befürchten, dass von der Aufführung nicht der relativ schrecklichen (weil ungut sentimentalen) Oper „Martha“, diesem Lieblingskind des Bürgertums des 19. und noch des frühen 20. Jahrhunderts, sondern von der Wiederentdeckung der „Veuve Grapin“(der „Witwe Grapin“) ein Impuls ausgeht. Schließlich findet die Aufführungsserie ja „nur“ in der „Hauptstadtoper“, in der Mitte Berlins in der Rungestraße 12, Nähe Jannowitzbrücke gelegen, zu einem sichtlich amüsierten Publikum – aber was heißt hier „nur“?
Die Hauptstadtoper (sie heißt wirklich) so, ist ein kleines Haus, das nicht einmal eine Bühne, keinen Orchestergraben und kein festes Ensemble hat. Allein sie bereichert die Berliner Off-Opernszene, neben der Neuköllner Oper und der Kammeroper, seit drei Jahren um gut gemachte Klavieropern, die ausschließlich mit Profikünstlern über den Teppich gehen. 12 Quadratmeter Opernszene: das ist nicht wenig, wenn „kleine Meisterwerke“ (so wird das Werk, durchaus richtig, in Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters charakterisiert) wie Flotows „Witwe Grapin“ einfallsreich und lustvoll, vokal und schauspielerisch versiert gegeben werden. Die Prinzipalin Kirstin Hasselmann steht selbst auf der Bühne; nach Engagements in Schwerin, Weimar, Düsseldorf, Görlitz, Trier und Krefeld/Mönchengladbach erfüllte sie sich 2009 den Traum einer eigenen Low-Budget-Bühne.
Birgit Eckenweber erhielt hier, nach Offenbachs „Ehemann vor der Tür“, die Chance, Flotows Rarität zu inszenieren – sie nutzt sie, indem sie mit Poesie und Humor, einer ästhetischen Linie und schönen Bildern an die Komödie herangeht. Flotow, der seine Lehrzeit in Paris erlebte, schrieb das Stück zusammen mit P.A.P. Deforges, der für Adolphe Adam und Offenbach schrieb; auch diese „Opérette“ wurde 1859 in den Bouffes-Parisiens uraufgeführt, was man dem Stück – glücklicherweise – anhört: von der melodisch inspirierten Ouvertüre über das kesse Auftrittslied der Witwe zum vitalen Schlussterzett. Angereichert haben Eckenweber und der Pianist Ralph Zedler das kurze Stück um 5 französische und deutsche Lieder Friedrich von Flotows, die, wie die Operette selbst, die besseren Seiten des Komponisten zutage fördern. Die Geschichte um einen Marquis, der pleite ist, weil er das Vermögen seiner Ahnen durchgebracht hat und sich darob umbringen will, der dann durch eine neu- wie steinreiche, sehr lustige Witwe gerettet wird, indem er gleichsam gekauft wird: diese textlich gekürzte und gelind modernisierte Geschichte, die natürlich in ein glückliches Finale mündet, entbehrt nicht einer Aktualität, der die Regie mit Poesie, nicht mit Ideologie beikommt. Kristina Jean Hays, ein wunderschöner Mezzosopran, spielt den Diener Vincent, der das Finale befördert: eine Figur, die dem Puck aus dem „Sommernachtstraum“ verwandt ist.
Ricardo Frenzel Baudischs Marquis Bressieux ist, zumindest ein bisschen, eine Hamlet-Type, die – das macht die langjährige Schauspielpraxis des Sängers – grotesk und „tragisch“ genug agiert.
Die Witwe selbst ist Sache der Prinzipalin: Kirstin Hasselmann singt sopransicher und agiert detailgenau: eine witzige Frau auf der Suche nach dem Glück, die ihre Dollars inmitten des Blümchenreichs des verzweifelten Marquis herum flattern lässt.
Eine „kleine“ Sache? Gewiss – aber Aufführungen wie diese beweisen, wie aktiv und qualitätsbewusst, inszenatorisch und musikalisch niveauvoll Berlins Opernbühnen unterhalb der so genannten „Großen Häuser“ ein Publikum unterhalten, das niemals in die „Staatsoper“ gehen würde.
Seinerzeit hatte Flotows und Deforges' Werk einen guten Erfolg, bis weit in das 20. Jahrhundert hinein. In der Hauptstadtoper erfüllt sich an solchen Abenden – und das ist nun wirklich keine Übertreibung – so etwas wie ein „Opernglück“ mit kleinsten Mitteln: wofür der Besucher nicht einmal auf den gleichnamigen Abend warten muss, den die Besucher am 1. Juni in der kleinen und guten Oper in Berlin-Mitte besuchen können.
Frank Piontek


http://www.deropernfreund.de/berlinhauptstadtoper.html



Orpheus Journal 5+6. 2011

Hauptstadtoper „Perle der Off-Szene“

Komische Oper? Deutsche Oper? Staatsoper? Hauptstadtoper

Selbstbewusst präsentiert sich die kleinste Oper Berlins mit ihrem grasgrünen Logo. Seit zwei Jahren existiert die von Kirstin Hasselmann gegründete Hauptstadtoper in der Rungestraße 12 in Mitte.
Kirstin Hasselmann stammt aus einem musischen Elternhaus. ihr Vater Werner Hasselmann, selbst 36 Jahre lang Opernsänger, Regisseur und Intendant, und ihre Mutter Helga Magerl, jahrelange Leiterin der Komponistenklasse in Halle/Saale und Dresden, weckten schon früh ihre Liebe zur Oper. Kirstin Hasselmann studierte Gesang im Stimmfach Koloratursopran an der Musikhochschule Leipzig bei Prof. Elisabeth Breul und nahm außerdem während des Studiums bei ihrem Vater Gesangsunterricht. Bis heute ist er in stimmlichen Fragen ihr engster Vertrauter.
Nach dem Studium war sie an verschiedenen Theatern, z.B. in Schwerin, Cottbus, Görlitz, Trier und Krefeld/Mönchengladbach, fest engagiert. Sie sang Partien wie Despina, Pamina, Zerlina, Gilda, Sophie, Gepopo und Venus in Le Grand Macabre von György Ligeti, Olympia, Christel in Der Vogelhändler und eliza in My Fair Lady. Ab 2001 ging sie in die Freiberuflichkeit und gastierte u.a. in Düsseldorf, Weimar, Nürnberg und Trier. experimentelles Theater führte sie nach Saarbrücken, wo sie mit dem Ensemble pazza caglia zusammenarbeitete. Angeregt durch diese arbeit, schuf sie eigene Abende in unterschiedlichster Besetzung – mit dem Duo für Sopran und Laute Parlar Cantando sang sie Musik des 17.Jahrhunderts und gestaltete Liederabende mit Werken von Mozart, Beethoven, Mendelssohn, Brahms, Hugo Wolf und Claude Debussy.
Seit 2007 lebt Kirstin Hasselmann in Berlin. im selben Jahr gastierte sie an der Neuköllner Oper in „Weintraubs – Oddysee“. Die Erfahrungen mit der freien Musiktheater-Szene gaben ihr den mut zur Gründung der Hauptstadtoper im Februar 2009.
In einem interview mit Aya Bach, Redakteurin der Deutschen Welle, vom 29.5.2010, antwortete Kirstin Hasselmann auf die Frage, warum sie dieses Abenteuer einging: Es ist ein Gefühl von großem Glück! Weil ich machen kann, was ich wirklich selber möchte und was ich auch kann. Das ist eigentlich das, was das Menschsein ausmacht. Ich kann mich verwirklichen und bin sehr stolz darauf, dass das auch geht!
Das Profil der Hauptstadtoper:
Oper darf nicht reserviert sein für gehobene gesellschaftliche anlässe, die viel Geld kosten. Oper muss unter die Leute. Dazu bringt die Hauptstadtoper Profis des Musiktheaters mit Anfängern zusammen. experimentelles steht neben Unterhaltsamen. in Eurydike und Orpheus wurden texte der Autorin Sabine Bergk auf Händels Wassermusik gelegt, welche in den Jazz-Stil für Sopran, Saxophon, Klarinette und Klavier adaptiert wurde. Daneben lockt „Die kleinste Operngala der Welt“ auch ein Publikum an, das sonst nicht in die Oper geht. Damit das Interesse für das Musiktheater auch in die Jugend getragen wird, veranstaltet die Hauptstadtoper Workshops, die in einer Aufführung münden. „Berlins kleinste

Weihnachtsrevue“ war ein solches Projekt – Schüler des Mittelstufenchores der Freien Waldorfschule Kreuzberg unter Leitung von Dirk Hoffmann und Profis der Hauptstadtoper erarbeiteten gemeinsam diesen Theaterabend und führten ihn vielfach vor ausverkauftem Haus auf! Charakteristisch für die Hauptstadtoper ist außerdem, dass sie genreübergreifend arbeitet – Musiktheater, Schauspiel und Bildende Kunst gehen in verschiedenen Konstellationen eine Synthese ein.
In den zwei Jahren ihres Bestehens fanden zehn Eigenproduktionen in der Hauptstadtoper statt, angefangen vom Erstlingswerk „tucholskyBaRock“, welches ein musikalisches Kabarett war. texte von Kurt Tucholsky wurden auf berühmte Barock-Arien gelegt und für Sopran und E- Gitarre arrangiert. in dem Familienstück „Hasselmann à la carte“ präsentierten Werner Hasselmann, Bass, Verena Hasselmann, Mezzosopran und Kirstin Hasselmann schönste Opern – und Operettenensembles in einem heiteren Menü. auch für Gastspiele ist die Hauptstadtoper offen. regelmäßige Gäste sind das Hauptstadtquartett, die Streichquartette von Franz Schubert und Johannes Brahms spielen, das Duo Piacel mit eigenen Kompositionen für Piano und Violoncello oder Madame Oreliès mobiles erzähl- und Musiktheater, in dem Literatur mit neuer Musik gepaart werden, außerdem Oper & Performance und Objekt & Raum.
In den spielzeitfreien Abschnitten veranstaltet die Hauptstadtoper Ausstellungen von Bildenden Künstlern, wie Birgit Knappe, einer Berliner Bildhauerin, und Günther rechn, einem bekannten Maler aus Cottbus.

In ihrer letzten Premiere, Ein Ehemann vor der Tür von Jacques Offenbach, arbeiteten Profis und Gesangsschüler der Hauptstadtoper ausschließlich für die Liebe zur Oper und die Freude, sie einem Publikum nahe bringen zu können, denn nähe ist eines der Schlüsselworte der Hauptstadtoper. in dem 56 qm großen Raum haben ca. 40 Besucher Platz. Zur Premiere waren es fast 50. Da sieht man jedes Augenzwinkern, jede Schweißperle und muss mitunter mal seinen Fuß einziehen, um die Sänger in ihrem Spiel vorbeizulassen. Man könnte fast meinen, Offenbach hätte Pate gestanden für die Idee der Gründung der Hauptstadtoper. Sein Théâtre des Bouffes-Parisiens, das er von 1855 bis 1862 leitete, entstand neben den damaligen großen Pariser Opernbühnen. Da es Offenbach zu diesem Zeitpunkt nur erlaubt war für eine beschränkte Anzahl von Personen und Akte zu komponieren, entstanden aus seiner Feder zahlreiche heitere musikalische Einakter. mit einem solchen feiert nun die kleinste Oper Berlins ihr zweijähriges Jubiläum. Hier wurde auf kleinstem Raum Offenbachs Operette in ihrer ganzen Bandbreite gezeigt: Spiellaune, fein abgestimmter Gesang, ausgefeilte Personenregie bis hin zu präzisen Choreographien rissen das Publikum bei der Premiere zu Szenenapplaus hin. Dazu ist wenig nötig – ein Mann am Klavier (musikalische Leitung: Ralph Zedler), ein Steg, der um eine Säule herumführt, an dem immer mal wieder ein großer Bilderrahmen gestellt wird, der als Tür bespielt wird. ein überdimensional langer Brautschleier, der über den rahmen geworfen wird, um dann die Trennung der Brautleute zu symbolisieren, denn: „Ein Ehemann steht vor der Tür“. Und natürlich ein engagiertes Ensemble um Intendantin und Sopranistin Kirstin Hasselmann. ihre beiden Gesangsschüler Sophia Seidler und Tobias Link, die Braut und Harlekin spielen, gehören ebenso dazu wie der Bariton Roman Grübner als Ehemann. An diesem Abend werden zwei Künste miteinander vereint. Die Operette in der Inszenierung von Birgit Eckenweber findet im Rahmen einer Vernissage statt. ausgestellt werden großformatige Bilder der Commedia dell‘arte des zu DDR-Zeiten und vorwiegend in Italien bekannten Künstlers Günther Rechn. Christina Kämper griff in ihren Kostümen die reizvolle Ästhetik der Commedia dell‘arte auf und führte sie in die Gegenwart. Die Farbwahl war bewusst gegensätzlich zu den Gemälden gewählt und integrierte sich gerade deswegen hervorragend in die Ausstellung. Typische Gesten von Columbina und Arlecchino auf den seelenvollen, lebensbejahenden Bildern, die gespickt sind mit hintergründigem Humor, sind auf der Bühne für den aufmerksamen Zuschauer wieder zu entdecken. Jubel im Premierenpublikum. In der Zukunft sind weitere kleine, aber feine Einakter von Jacques Offenbach geplant, weiterhin ein Mozart-Pasticcio zum 255. Geburtstag, eine Ausgrabung von Fromental Halévy und zahlreiche Lesungen mit Musik. außerdem entsteht eine Idee für ein Kinderstück, und sogar die Hauptstadtoper - die kleinste Oper Berlins - trägt sich mit dem Gedanken, 2013 eine Oper von Richard Wagner aufzuführen. mehr wird nicht verraten. „es ist der Hauptstadtoper zu wünschen“, wie ein Gast zur Premiere von Ein Ehemann vor der Tür der Intendantin sagte, „dass sie die fünf Jahre schafft, und dass die Stadt Berlin zukünftig mit finanzieller Unterstützung zum Erhalt dieser Perle der Off-Szene beiträgt.“ Das wünscht sich die Leiterin der Hauptstadtoper auch!


 

Der neue Merker

Oper in Wien und Ausland, Mai 2011

EIN EHEMANNVOR DER TÜR“ Berlin, Hauptstadtoper, 9.4.
- „Hauptstadtoper — die kleinste Oper der Opernhauptstadt Berlin “ -
hinter dieser geradezu genialen Vermarktungsidee verbirgt sich ein kleiner Raum, der kaum 30 Personen fasst, in der Runge-Straße in BerIin - Mitte. Die Sopranistin KIRSTEN HASSELMANN, die einst an Opernhäusern wie in Schwerin, Weimar, Trier und Düsseldorf in Partien wie Gretel, Pamina, Sophie und Gilda engagiert war, hat hier ein Studio eröffnet, wo sie jungen Menschen Gesangsunterricht erteilt und gemeinsam mit diesen kleine Aufführungen stattfinden lässt. Für einen Offenbach - Einakter eigentlich der ideale Rahmen und in Berlin geradezu eine Marktlücke.
Den optischen Rahmen bildet eine Ausstellung mit Bildern des ostdeutschen Malers GÜNTER RECHN, welche Figuren der Commedia-dell‘arte darstellen. Diesem Grundkonzept angepasst sind auch die Kostüme von CHRISTINA KÄMPER. Insbesondere das knappe Brautkleid von SOPHIA SEIDLER als Susanna so manchen Herrn im Publikum entzückt ha- ben. An ihrer Höhe und insbesondere am Vokal „a“ muss die junge Sängerin aber noch weiter arbeiten, während TOBIAS LINK (Florian Specht) sich noch ein deutlicheres „r“ zulegen sollte. Dennoch präsentierte der Tenor stimmliche und darstellerische Anlagen, die bei einer kontinuierlichen Weiterentwicklung zu Hoffnungen im deutschen Spieltenorfach berechtigen. Die Lehrerin Kirsten Hasselmann zeigte an ihrer Seite in der Koloraturrolle der Rosina auch darstellerisch und sprachlich, wo die Reise noch hingehen könnte. Als Gast stieß der Reiner-Goldberg-Schüler ROMAN GRÜBNER hinzu und gab nicht nur den Ehemann, sondern sinnvoll ergänzende Lieder von Schubert und Strauss.
Überhaupt war die Fassung und Regie von BIRGIT ECKENWEBER überaus gelungen und arrangierte auf engstem Raum viele komische Situationen aus dem Stück heraus, aber ohne diesem Gewalt anzutun. Natürlich wäre ein kleines Orchester schön gewesen, aber wo hätte das sitzen sollen? RALPH ZEDLER, ehemals langjähriger Repetitor am Staatstheater Schwerin, leitete die Aufführung am Klavier souverän und spielte zudem herrlich mit, sodass dieses Manko schnell vergessen war. Es war durch den nicht vorhandenen Abstand zwischen Darstellern und Publikum ein ungemein intensives Musiktheatererlebnis, das einen zufrieden nach Hause gehen ließ. In diesem Sinne kann man sich diese Produktion nur als Auftakt einer ganzen Reihe von Offenbach-Einaktern wünschen, denn jenseits von „Hoffmann“ und den großen ‚Offenbachiaden gibt es viel (wieder-)zu entdecken. Ivo Zöllner



Geburtstagsfest am 26.2.2011:

Zwei Jahre Hauptstadtoper

Das Fest ist sehr gelungen!

Publikum, Künstler und Freunde der Hauptstadtoper feierten ausgelassen die zwei Jahre der Hauptstadtoper, erst mit dem Erstlingswerk "tucholskyBaRock", dann mit dem köstlichen Büfett und als weiteren Höhepunkt mit musikalischen Kostbarkeiten der mitfeiernden Musiker und Sänger!

Vielen Dank an alle, die vor und hinter den "Kulissen" für das Gelingen des Festes gesorgt haben.

Und vielen Dank an die zahlreichen Besucher!

Es war wundervoll!


Herzlichst Kirstin Hasselmann!


Pressestimmen

Die Deutsche Welle berichtete am 29.5.2010 über die Hauptstadtoper.

Autorin: Aya Bach.

"Kleines Haus - Große Oper". Zum Bericht


Zur 'Langen Nacht der Opern und Theater' in Berlin

Kunst ist in der kleinsten Hütte

Der Tagesspiegel, Berlin, am 10. Mai 2010:

Aber oho! Die Haupststadtoper in der Rungestraße in Mitte macht dieses Jahr erstmals bei der Langen Nacht mit.

Berlins kleinste und jüngste Oper hat es geschafft: eine Bushaltestelle ist nach ihr benannt. Zumindest für diese Samstagnacht, wo sich der Bahnhof Jannowitzbrücke auf der Busroute 2 während der Langen Nacht der Opern und Theater in die Haltestelle „Hauptstadtoper“ verwandelt. Deren Sitz liegt gleich jenseits der Spree in der Rungestraße 12. Na ja, Sitz klingt etwas pompös – die Minioper mit dem Riesennamen ist ein weiß getünchter, quadratischer Laden im Parterre. Ein schwarzer Vorhang trennt das Büro, das abends Bar ist, vom Zuschauerraum, der die Bühne ist. Und zur Künstlergarderobe geht es die Kellerluke runter.

 

„Wir sind stolz, bei der Langen Nacht mitmachen zu dürfen, obwohl wir noch so neu sind“, sagt Chefin Kirstin Hasselmann, die die Hauptstadtoper im Februar letzten Jahres gegründet hat. Dabei passt sie mit dem Prinzip „nicht kleckern, sondern klotzen“, das zur tollkühnen Betitelung ihrer freien Musiktheaterbühne führte, bestens zur Langen Nacht der Opern und Theater. Nicht nur, weil deren Plan ist, von der Minibühne bis zum Showpalast möglichst viele völlig unterschiedliche Häuser der Stadt für das Publikum zu öffnen, sondern weil beim diesjährigen, zweiten Durchlauf des Spektakels unglaubliche 68 Theater und Opern dabei sind. 20 000 Theaterfans schauten sich schon vor einem Jahr Kostproben aus Dramen, Opern, Tanzperformances, Musicals, Kleinkunstshows, Puppen-, Figuren- oder Jugendtheaterstücken an oder ließen sich vorlesen und auf Hinterbühnen die Hydraulik erklären.

 

Zu den 23 Neuzugängen gehört neben einem Showpalast wie dem Friedrichstadtpalast mit seinen knapp 1900 Plätzen eben auch die Hauptstadtoper mit 40 Plätzen. Viele Leute, die zum ersten Mal kämen, fragen erst mal irritiert, wo denn bloß die Bühne sei, grinst die studierte Sopranistin Kirstin Hasselmann. Weil sie das klassische Opernrepertoire mit „Kostümschlachten und gähnender Langeweile“ künstlerisch auf die Dauer nicht mehr so prickelnd fand, macht sie in der Hauptstadtoper jetzt mit ein paar anderen ambitionierten Profis Musiktheater, wie es ihr gefällt: experimentierfreudig und für ein offenes Publikum, „das die Scheu vor dem Genre verlieren soll“. …

 

Die kleine Hauptstadtoper hat bislang vier Produktionen auf die (nicht vorhandenen) Bühnenbretter gebracht. Die laufen ausschnittsweise immer zur vollen Stunde im Doppelblock. Mit fünf Musikern, Sängern und Schauspielern wird schon allein das ein ziemliches Getümmel. Kirstin Hasselmann, die in der aktuellen Produktion „Eurydike und Orpheus“ nach Gluck und Händel die Hauptrolle singt, aber auch in den drei anderen dabei ist, braust zwischendurch noch für ein Interview mit dem Taxi zum Schiller-Theater. Da steht nämlich der Lange-Nacht-Ü-Bus von „Radio Eins“.

 

Musik, Handlung, Raum – mehr braucht Oper nicht, um groß zu sein, sagt Kirstin Hasselmann. Und nach dem einen Doppelblock, der um Mitternacht in der Hauptstadtoper gespielt wird, ist dann zusammen „Abspann“ mit ein, zwei, drei Glas Wein. (Gunda Bartels)


Zu: Eurydike & Orpheus - Eine Wassermusik

"Eine Perle im Berliner Kultur- und Stadtleben"

berlin blog am 11. März 2010 :

Eurydike wälzt sich in grauen Gummistiefeln auf dem weiß getünchten Steinboden, noch kurz zuvor hatte sie ihr Gesicht in dem großen Spiegel geprüft, der vor einem raumhohen Fenster den Blick zurück in die Szenerie wirft und nur die Hälfte des Geschehens nach draußen lässt. Dort schieben sich Oberkörper den Berliner Gehweg entlang, telefonieren, reden und machen sich unbedarft zu einem Teil des Stücks. Wir sind in der Hauptstadtoper. Generalprobe: Orpheus und Eurydike.Die Hauptstadtoper erschafft in der „Opernhauptstadt“, wie Berlin sich gern selbst umwirbt, große Kunst auf kleinem Raum. Der Name des Vereins ist keine Reminiszenz an den Berlin-Slogan. „Opernhauptstadt“, so betont Marco Oliver Janus, an diesem Abend für das Licht und die Abendspielleitung verantwortlich, „kam nach uns“. Aber auf derartige Dinge geht man nur beiläufig ein. Obwohl man einen „Größenwahn“ diesbezüglich als durchaus schlüssig ansehen könnte, denn das gesamte Konzept beruht in gewisser Weise darauf: Du siehst einen Raum - wahrscheinlich nicht viel größer als eine geräumige Einraumwohnung - die Tür, das Fenster direkt zur Berliner Rungestraße gerichtet und nennst ihn 'Hauptstadtoper'. Das ist einfältig … und genial.

Kirstin Hasselmann gründete die Hauptstadtoper im Jahre 2009 als Verein und gibt in der vierten Produktion die Eurydike. Sie selbst genoss eine klassische Gesangsausbildung im Fach Koloratursopran in Leipzig, ist diplomierte Opernsängerin und Gesangspädagogin, darüber hinaus Absolventin eines Meisterkurses bei Renate Hoff an der Staatsoper Berlin.

Nach langjährigen ständigen Engagements in Schwerin, Cottbus, Trier, Görlitz, Krefeld

und Mönchengladbach begab sich die Sopranistin in die Selbständigkeit. In “Orpheus und

Eurydike” interpretiert sie Händels Wassermusik, lässt sich von Alexander Klein (Piano) und Max Hacker (Saxophon/Klarinette) mal in jazzige, mal in barocke Räume

begleiten und bespielt den, in seiner Gedankenwelt erstarrten, Orpheus, dargestellt von Max Volkert Martens(u.a. Tatort, Der Baader Meinhof Komplex, Liebling Kreuzberg).

„Die Grundidee“, so die Berliner Autorin Sabine Bergk (Text und Regie), „ist die

Liebesgeschichte zwischen Orpheus und Eurydike bis zu ihrem wirklichen Finale darzustellen.” Orpheus ist dem Hades entstiegen und verirrt sich im Denken. Eurydike wandelt als Schatten an den schwarzen Wassern und ruft ihren Geliebten. Während der griechische Sänger Orpheus sich mit verzweifelter Wollust in seiner Gedankenwelt verirrt, versucht Eurydike, ihn mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln in ihre Realität, die

auch nur eine unter vielen ist, zu ziehen.

 

Mit „Eurydike & Orpheus“ ist dem Ensemble der Hauptstadtoper eine kopflastige

Vermischung von Elementen der Popkultur mit denen der klassischen Oper und des Theaters gelungen, die – so mutig sie auch zu sein scheint – am Ende doch schlüssig aufgeht und dabei den zwei Komponenten, Hauptstadt und Oper, nicht nur mit ihrem Programm entgegenkommt, sondern sie auch räumlich einnimmt und Grenzen zwischen Spiel und Stadt scheinbar mühelos verflüssigt. EinePerle im Berliner Kultur- und Stadtleben, nicht nur für Fans der Oper, sondern für alle, die Lust haben sich diesem Fach anzunäher. (Arne Fink)

 


 

Zu: Sing um dein Leben - am Ende stirbst du doch

Der Tagesspiegel, Berlin, vom 30.10.2009:

In der neuen Produktion "Sing um dein Leben" weitet sich der enge Raum zum Opernkontinent. Kirstin Hasselmann singt Arien aus einigen der bedeutendsten Werke des Repertoires. Mit Inbrunst und frechem Grinsen wirft sie sich in die Rollen, bricht bei Elisabethes Gebet im „Tannhäuser“ plötzlich ab („bei allen Sparmaßnahmen – das ist nun wirklich nicht meine Partie“), um sich im nächsten Moment als fahrige Besucherin mit Zonengabi-Frisur fürchterlich über Carmen aufzuregen („die will doch jetzt nicht etwa diesen Mops anbaggern?“).

Begleitet wird sie von
Johannes Zapotoczky (Cello) und Alexander Klein (Klavier). Am Ende des Parforceritts unter der Regie von Stephan Bielinski steht natürlich das Opernfinale schlechthin, das überirdische Duett aus dem „Rosenkavalier“. Da dürften die meisten Besucher längst Blut geleckt haben. (Udo Badelt)

 

Märkische Oderzeitung, Frankfurt (Oder), vom 16.11.2009:
Ort der kleinen Intimitäten

Der Name ist verwirrend, gleichwohl durchdacht: "Hauptstadtoper" nennt sich eines der kleinsten Musiktheater Berlins. Es liegt in der Rungestraße 12, Bezirk Mitte. In einem kleinen Ladengeschäft mit bodentiefen Schaufenstern tritt das dreiköpfige Ensemble vor maximal 40 Zuschauern auf. Auf dem Programm des im Februar eröffneten Opernhauses stehen ausschließlich Eigenproduktionen: "Die vier Jahrszeiten" mit Musik von Antonio Vivaldi und Texten von Frank Wedekind, "TucholskyBaRock" und seit Kurzem "Sing um dein Leben!", eine kabarettistische Arien-Collage über die Eigenheiten des Opernbetriebes und des Publikums. Die Zuschauer sitzen dabei nur eine Armlänge von der Bühne entfernt.

 

"Ich finde den Kontrast von großem Namen und Nähe spannend", sagt Opern-Mitbegründerin Kirstin Hasselmann. Sie will das Publikum die kleinen Intimitäten zwischen den Darstellern erleben lassen, ihnen ein "persönliches Kunsterlebnis" ermöglichen. Gleichzeitig sucht die Oper die Nähe mit den Zuschauern zwecks Austausch. "Wir wollen uns der Kritik stellen, nicht im eigenen Saft schmoren", sagt Hasselmann in Anspielung auf ihre Erfahrungen an großen Opernhäusern und Theatern. 14 Jahre lang wirkte sie in festen Engagements in Schwerin, Görlitz, Tier, Cottbus und Krefeld/Mönchengladbach sowie als freischaffende Sopranistin in Düsseldorf, Weimar und Wuppertal.

Gemeinsam mit der Regisseurin Ulrike Gärtner wollte sie einen Kontrapunkt setzen: Sie verwirklichten die Idee eines experimentellen Musiktheaters - nicht zufällig in Berlin. "Die Stadt bietet dafür das beste Pflaster, es gibt kreative Menschen, die sich ausprobieren wollen", sagt Hasselmann. Die 45-Jährige wendete sich im Jahre 2006 wegen des zunehmenden Leistungsdrucks, Arbeitskampfes und Sparzwanges von der großen Opernwelt ab. "Der Traumjob machte so keinen Spaß mehr", begründet sie ihre mutige Entscheidung.

Nach einem enttäuschenden Zwischenstopp in der Freien Theaterszene in Köln und Berlin ist ihr deutlich geworden, wie ein kleines Musiktheater überleben könnte: durch hohe Qualität. Und die wird nach Hasselmanns Ansicht nicht allein durch schön anzusehende Staffage und Kleiderordnungen erreicht. "Oper ist nicht nur zum Konsumieren, zum Bewundern da. Wir wollen den Blick auf die Kunstform werfen", beschreibt die in Halle aufgewachsene Opernsängerin ihr Anliegen. Wichtig sei, was am Abend den Menschen berührt. "Und das schafft man mit kleiner Form auch."

Die Musik-Arrangements liegen in Hasselmanns Hand, für die Inszenierung und die Texte zeichnet Stephan Bielinski verantwortlich. An den Instrumenten spielen Alexander Klein (Klavier) und Johannes Zapotoczky (Violoncello). Welcher Art die Produktionen sind, bestimmen die jeweils mitwirkenden Künstler, die das Ensemble zur Zusammenarbeit einlädt. Demnächst steht eine vierte Produktion an, nach einem Stück der Autorin Sabine Bergk. (Anja Hamm)



Zu: Le quattro stagioni / Die Vier Jahreszeiten

Der Tagesspiegel, Berlin, vom 15.3.2009:

Wedekind trifft Vivaldi

Hier ist also die Rungestraße 12. Ein Bürogebäude am Eingang eines munkeligen Straßenstummels zwischen Jannowitzbrücke und Heinrich-Heine-Straße. Einst mit frischem Investorenmut für seriös-solvente Dienstleister gebaut, scheint es nun etwas desillusioniert aus seinen leeren oberen Etagen in die Gegend zu blicken. Nur im Erdgeschoss tut sich was: Hauptstadtoper steht in schicken grünen Lettern an der verglasten Straßenfront geschrieben. Innen ist der Fußboden mit Gartenerde ausgefüllt, dekorativ von Glühlampen beleuchtet, die dicht über dem Boden hängen. Wenig später wird sich hier die Sopranistin Kirstin Hasselmannwälzen und mit voller, lustvoll vibrierender Stimme, Frank Wedekinds Lied vom dicken Bäckerpaar singen – und zwar zur Musik des Herbsts aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, frei und überraschend stimmig arrangiert für Cello (Johannes Zapotoczky), Gitarre (Takashi Peterson), Mandoline und Percussion (Andreas Bühler). Zugleich wird sie Kartoffeln aus dem Boden graben und in ihren Ausschnitt stecken, der alsbald zu einem wunderbar grotesken Symbol der Lebensernte anschwillt. Dass der verspielte Abend nicht ins Alberne abgleitet, dafür sorgt neben der Bühnenpräsenz der Solistin vor allem die strenge, pekuniär wie poetisch motivierte Ökonomie der Mittel, derer sich die Regisseurin Ulrike Gärtner wie Raumgestalter Wolf Gutjahr bedienen. Und so hängen am Ende die Glühlampenkabel wie Henkerschlaufen über der Friedhofserde. Der Besucher aber möchte Berlin dafür knuddeln, dass hier wirklich anregende Opernexperimente lauern. (Carsten Niemann)

 



Mitteldeutsche Zeitung, Halle (Saale), vom 24.7.2009:
Wie Sommerduft nach Regen

Dann greift er in besinnlichen Momenten zur Mandoline und setzt damit weitere mediterrane
Klangimpressionen. Für das Volumen des Ensembles ist das Cello zuständig, das mit Johannes Zapotoczky besetzt ist. An der instrumentalen Zusammensetzung zeigt sich, wo die Herausforderung dieses Arrangements liegt: Das Ausbalancieren von Zupf- und Streichinstrument gibt dem Stück eine Würze, die dem satten Duft des Sommers nach einem Regenschauer ähnlich ist. Kirstin Hasselmann spielt die Lebensalter als Äquivalent der Jahreszeiten: von der Kindheit in die Jugend übers Erwachsensein hinein ins Alter. Und immer mit Leichtigkeit und dezenten Anspielungen auf das, was uns täglich umgibt.
Über die Bühne ist ein Netz aus Leitungen gespannt. Glühbirnen hängen herab und streifen knapp den mit richtiger Erde bedeckten und mit Kartoffeln, Fotografien und Blumentöpfen übersäten Boden. Das Besondere des Programms ist die Vermischung von kammermusikalischer Ernsthaftigkeit mit der Unbeschwertheit und Verständlichkeit des musikalischen Satzes. Die Fusion schauspielerischer Elemente, die Bewegung auf und vor der Bühne, die kokett-humoristischen Momente, eine stimmlich hochprofessionelle Sopranistin: das alles hat den Besuch dieses erfolgreichen Stücks auch in Halle mehr als gelohnt. (Helen Hamann)


Zu:tucholskyBaRock

Mitteldeutsche Zeitung, Halle (Saale), vom 4.7.2008: Kleines Team mit großer Kunst

Musikalisches Kabarett

Eine gute Stunde vergnüglichen musikalischen Kabaretts erlebte man am Dienstag in der Galerie am Domplatz. Ausganspunkt waren Texte von Kurt Tucholsky, in denen kleinbürgerliche Verhaltensweisen und gesellschaftliche Gebrechen aufs Korn genommen werden.

Kirstin Hasselmann (Koloratursopran), Takashi Peterson(E- Gitarre) und Ulrike Gärtner (Regie) besannen sich dabei auf die im 17./18. Jahrhundert gebräuchliche Form des Pasticcios, in dem Stücke aus eigenen oder Werken anderer Komponisten ein neues Werk ergaben.

Aus Arien von Bach, Händel, Telemann und Gluck, denen Texte von Tucholsky unterlegt wurden, entstand eine satirische Darbietung von überzeugender Geschlossenheit und hoher musikalischer Qualität. Eine schöpferische Verbindung von Geschichte und Gegenwart, die sich wohltuend von der immer mehr in Mode kommenden Trittbrettfahrerei absetzt. Kirstin Hasselmann zeigte sich der anspruchsvollen Aufgabe in mehrfacher Hinsicht glänzend gewachsen: Ihr klarer und müheloser Sopran- ging souverän mit den besonderen gesanglichen Anforderungen der verwendeten Musik um und offerierte dazu einen geradezu unerschöpflichen Reichtum an Mimik, Gestik und Bewegung- eine insgesamt bemerkenswerte darstellerische Leistung. Mit Takashi Peterson stand ihr ein Begleiter zur Seite, der auf der E- Gitarre einfach alles beherrschte: Genau auf den Inhalt abgestimmt von schöner, linearer und harmonischer Begleitung der Arien bis zu modernen Klängen und Rock- Elementen. Mit einer Improvisation über ein Menuett von Bach erwies er sich auch als Solist von Format.

Besondere Höhepunkte waren "Guten Morgen faules Glücke", "Lass mich mit Tränen", "Kommt ein Schiff vom Sturm zerschlagen" und "Der Mann im Spiegel". Die der Theaterkunst nahe stehende Veranstaltung fand ein dankbares Publikum, das in beträchtlicher Zahl erschienen war und dem Geschehen mit Begeisterung und viel Beifall folgte. (Claus Haake)


Die Sopranistin Kirstin Hasselmann beeindruckt mit Vivaldi, Witz und Wedekind
“Ich wollte die Melodien aus Vivaldis ‚Vier Jahreszeiten‘ einfach mal singen“,sagt Kirstin
Hasselmann
. Und siehe da: Bei ihr klingen sie ganz neuartig, wirken elektrisierend, wenn die belebenden, aufwühlenden, rückbezüglichen und bisweilen sogar fast sterbensnah-bitteren Themen des italienischen Barockmeisters mal in Sopran ertönen. Die Berliner Sängerin steckt nicht nur hinter dem Programm “La quattro stagioni/Die Vier Jahreszeiten“, das am Donnerstag und Freitagabend beim Sommertheater im Hof des Neuen Theaters zu erleben war. Die aus Halle stammende Künstlerin ist außerdem Mitbegründerin des Vereins “Hauptstadtoper“, einer Initiative, die sich vorgenommen hat, die musikalische Gattung Oper für ein größeres Publikum zugänglich zu machen. Den Versuch, die Oper von ihrer manchmal divenhaften Unnahbarkeit herunterzuholen, startet Hasselmann etwa mit regelmäßigen Opernkollegs, aber auch mit quirligen Ideen.Aus einer solchen ist die Aufführung der “Vier Jahreszeiten“ entstanden. Da war einmal Antonio Vivaldi mit seiner Vertonung der Stationen des Jahres. Und dann spürte Hasselmann Frank Wedekinds Dichtungen über die vier Jahreszeiten aus dem Jahr 1905 auf.
“Die Assoziation der Jahreszeiten mit den Lebensabschnitten eines Menschen lag nahe, und mit
Wedekinds Liebesgedichten war plötzlich Text da.“ Gemeinsam mit dem Gitarristen Takashi Peterson entstand das Arrangement. Das Publikum wird von erhitzten Flamenco-Wirbeln ins Stück hineingerissen. Wird mit barocker Gestik an das Ursprungswerk erinnert. Hört Dissonanzen, Klangausbrüche und Geräuschhaftes. Andreas Bühler sorgt auf der Kastentrommel Cajön, mit dem brasilianischen Tamburin Pandeiro oder mit Besen und Snare-Drum für den schier unaufhaltsamen, perkussiven Fluss der Stücke.